Das Auge, Signet Otto Pächt

Otto Pächt

Dr. phil. · Dr. h. c. · Professor für Kunstgeschichte

1902–1988

„Am Anfang war das Auge, nicht das Wort.“
Eigenhändige Unterschrift Otto Pächts

Station I 1902 bis 1920

Wien. Der Anfang

Otto Ernst Pächt wurde am 7. September 1902 in Wien geboren. Er war der jüngere von zwei Söhnen des Textilunternehmers David Pächt und seiner Frau Josephine Freundlich. Nach dem Besuch der Volksschule im XIII. Wiener Bezirk absolvierte Pächt das humanistische Staatsgymnasium in Hietzing. 1920 schloss er die Gymnasialzeit mit vorzüglichem Erfolg ab und bestand die Matura mit Auszeichnung.

OTTO PÄCHT, SCHULZEIT

Das Skizzenbuch

Ein unveröffentlichtes, bislang nicht öffentlich gezeigtes Skizzenbuch aus Otto Pächts Jugend dokumentiert seine frühe zeichnerische Begabung und zeigt eine weniger bekannte Seite von ihm. Es enthält Bleistiftzeichnungen und Aquarelle aus den Jahren 1913 bis 1920. Die ersten Blätter entstanden noch in seiner Kindheit. Schon hier erfasste er das Gesehene mit einer Schärfe des Auges, die später seine wissenschaftliche Arbeit prägen sollte. Im Januar 1920, dem Jahr seines Studienbeginns, fertigte er mehrere Studien nach Rembrandts Bildnissen an. Indem er sie kopierte, versuchte er, dessen Kunst zeichnerisch zu erfassen. Jahrzehnte später wurde Rembrandts Malerei zum Gegenstand seiner kunsthistorischen Forschung.

Station II 1920 bis 1925

Studium. Wien und Berlin

Pächt studierte von 1920 bis 1925 Kunstgeschichte und Archäologie an der Universität Wien, im geistigen Umfeld der Ersten Wiener Schule. Prägend waren die Arbeiten von Alois Riegl, Max Dvořák und Franz Wickhoff. Riegls Begriff des Kunstwollens gehörte zu den methodischen Grundlagen, auf denen Pächt seine eigene Auffassung der Kunstgeschichte aufbaute.

 MELDUNGSBUCH DER UNIVERSITÄT WIEN, 1920–1924

Lehrer und wissenschaftliches Umfeld

Im Wintersemester 1921/22 hörte Pächt in Berlin als Gasthörer Vorlesungen des Mediävisten Adolph Goldschmidt. Nach seiner Rückkehr setzte er das Studium bei Julius von Schlosser und dem Archäologen Emanuel Löwy fort und erwarb so eine breite Grundlage in beiden Fächern.

Karl Maria Swoboda, später sein Vorgänger auf dem Wiener Lehrstuhl, sowie Wilhelm Pinder, Josef Strzygowski, Hans Tietze, Heinrich Glück, Camillo Praschniker und Emil Reisch hatten ebenfalls einen wesentlichen Einfluss auf Pächts Entwicklung. Die Auseinandersetzung mit den Begründern der Wiener Schule blieb für seine Arbeit zentral. Er lernte auch Kollegen wie Ernst Kris, Charles de Tolnay, Ernst Gombrich, Otto Kurz, Hans Sedlmayr, Felix Horb und Johannes Wilde kennen.

Station III 1925 bis 1932

Bild und Vorwurf

1925 wurde Pächt in Wien mit der Dissertation Das Verhältnis von Bild und Vorwurf in der mittelalterlichen Entwicklung der Historiendarstellung promoviert. In den folgenden Jahren veröffentlichte er Studien zur gotischen Malerei und arbeitete an kunsthistorischen Zeitschriftenprojekten.

Promotion, Wien 1925 

Die Dissertation

Pächts Dissertation untersuchte die bildliche Behandlung dreier zentraler Themen der christlichen Kunst: der Geburt Christi, der Anbetung der Könige und der Kreuzigung. Er verfolgte ihre Entwicklung von den Anfängen der christlichen Bildkunst bis zur Hochgotik. Sein besonderes Interesse galt dem Verhältnis zwischen dem dargestellten Gegenstand (Vorwurf) und der bildlichen Form, die er jeweils annahm.

Erste Publikationen und Redaktionsarbeit

Pächts Veröffentlichungen zwischen 1921 und 1937 behandelten vor allem die spätgotische Tafelmalerei und Fragen der kunsthistorischen Methode. Eine seiner wichtigsten Publikationen war Österreichische Tafelmalerei der Gotik (1929).

Bis 1937 arbeitete Pächt an den Kritischen Berichten zur kunstgeschichtlichen Literatur mit. Friedrich Antal und Bruno Fürst redigierten die ersten beiden Bände (1927/28 und 1928/29). Herausgeber waren Rudolf Kautzsch, Wilhelm Pinder, Georg Swarzenski und Karl Maria Swoboda. In diesen Bänden besprach Pächt Max Friedländers Buch über Dierick Bouts und Joos van Gent und gab einen Überblick über die neuere Literatur zur gotischen Tafel- und Glasmalerei in Österreich. Zu seinen Beiträgen im Band 1930–32 gehörte Das Ende der Abbildtheorie. Die Zeitschrift setzte die Tradition der Kunstgeschichtlichen Anzeigen fort, die Franz Wickhoff 1904 begründet und Max Dvořák bis 1913 weitergeführt hatte. Als Rezensionsorgan im Umkreis der Wiener Schule prüfte sie Methoden und Maßstäbe der kunsthistorischen Forschung. 1937, nach Antals Emigration, leitete Bruno Fürst die Wiener Redaktion. Die Auflage betrug 400 Exemplare.

Bruno Fürst beschrieb diese Jahre später so:

„Wien war [für Pächt] die Phase der strengen Kunstwissenschaft, seines Kampfes gegen das Unwissenschaftliche, die Phase der Strukturanalyse, der ‚Zweiten Kunstgeschichte‘ und der Adaptierung der Gestalttheorie für eine methodisch fundierte Kunstgeschichte.“

Die Kunstwissenschaftlichen Forschungen

Pächt gab die Kunstwissenschaftlichen Forschungen heraus, die 1931 und 1933 in Berlin in der Frankfurter Verlags-Anstalt erschienen. Die Publikation stand für einen von der Gestaltpsychologie beeinflussten und an Alois Riegl anschließenden Ansatz der Kunstgeschichte.

Den ersten Band eröffnete Hans Sedlmayrs Aufsatz Zu einer strengen Kunstwissenschaft. Sedlmayr und Pächt betonten die Eigenständigkeit der bildlichen Form und die Grenzen sprachlicher Erklärung. Die Rekonstruktion der Entstehungsbedingungen eines Werks konnte ihrer Auffassung nach das Werk selbst nicht erklären. Zugleich galt ihnen dessen Struktur als ein Weg, sein historisches Umfeld zu verstehen. Nach zwei Bänden stellte die Publikation 1933 wegen der nationalsozialistischen Machtübernahme ihr Erscheinen ein.

Kunstwissenschaftliche Forschungen, Erster Band, Berlin 1931

Meyer Schapiros Rezension

Meyer Schapiro bezeichnete die Richtung 1936 in seiner Rezension der Kunstwissenschaftlichen Forschungen im Art Bulletin als „Neue Wiener Schule“. Er würdigte den methodischen Anspruch der Publikation, kritisierte jedoch den Gebrauch abstrakter Kategorien wie „Rasse“ und „Geist“ sowie den geringen Ertrag an konkreten historischen Ergebnissen.

Schapiro stand seit 1934 mit Pächt in Briefkontakt und schätzte insbesondere dessen Arbeiten sowie jene Fritz Novotnys. Seine Rezension prägte die englischsprachige Rezeption der Richtung.

Die Freundschaft mit Robert Musil

Pächts Freundschaft mit dem österreichischen Schriftsteller Robert Musil (1880–1942) begann in Wien. Im Mai 1934 riefen er und Bruno Fürst zur Gründung eines Robert-Musil-Fonds auf. Daraus entstand die Wiener Robert-Musil-Gesellschaft, die den Dichter finanziell unterstützte und ihm die Fortsetzung seiner Arbeit ermöglichte. Vorbild war die 1932 gegründete und nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 aufgelöste Musil-Gesellschaft.

Pächt unterstützte die Veröffentlichung von Musils Nachlaß zu Lebzeiten (1935). Musil überreichte ihm ein Exemplar mit handschriftlicher Widmung:

„Urheberrechtlich, wie ich dächt’,
fällt dieses Buch an Otto Pächt.
Missfällt’s, so tragen wir’s zu zwein,
Gefällt’s, so tu’ ich’s auch allein,
Der Fall könnt’ gar nicht besser sein!“Robert Musil an Otto Pächt, Widmung in Nachlaß zu Lebzeiten, Dezember 1935

Im Juni 1935 begleitete Pächt Martha und Robert Musil nach Paris zum Internationalen Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur. Die Freundschaft bestand bis Musils Tod im Genfer Exil 1942.

1960 veröffentlichte Pächt „Zur Vorgeschichte des Buches ‚Nachlaß zu Lebzeiten‘“ in dem von Karl Dinklage herausgegebenen Band Robert Musil. Leben, Werk, Wirkung. Auch Bruno Fürst trug zu dem Band bei.

Der engste Freund Bruno Fürst

Kein Name erscheint in Pächts Briefen häufiger als der Bruno Fürsts (1896–1978). Als Schüler Wilhelm Pinders wurde Fürst 1931 in München mit einer Arbeit über die österreichische Plastik des 15. Jahrhunderts promoviert. Danach wirkte er als Privatgelehrter.

Während Pächts Berliner Semesters 1921/22 bat Karl Maria Swoboda Fürst, sich des jungen Kommilitonen anzunehmen. Fürst erinnerte später daran, Pächt „unter seine Fittiche“ zu nehmen. Aus der Begegnung wurde eine lebenslange Freundschaft. Pächt nannte den Freund „Knas“, nach dem ungarischen kenéz, einem alten Wort für Fürst. Gemeinsam arbeiteten sie an der Redaktion der Kritischen Berichte zur kunstgeschichtlichen Literatur und setzten sich für Robert Musil ein.

Fürst emigrierte 1938 mit seiner Frau Erna Thieme nach England. Sie war die Tochter Georg Thiemes, des Gründers des Leipziger Medizinverlags, und die Nichte Ulrich Thiemes, des Mitbegründers des Künstlerlexikons Thieme–Becker.

Die Namen Pächt und Fürst stehen gemeinsam auf dem Gedenkzeichen für die Mitglieder des Kunsthistorischen Instituts der Universität Wien.

Bruno Fürst, 1928

Der Bruch mit Hans Sedlmayr

In den Wiener Jahren war Hans Sedlmayr Pächts engster wissenschaftlicher Mitarbeiter. Beide galten als Vertreter einer neuen Richtung der Kunstgeschichte. Das Ausmaß ihrer politischen Gegensätze zeigte sich 1938, als Sedlmayr in seinem Beitrag zur Festschrift für Wilhelm Pinder den Anschluss begrüßte. Der Bruch blieb unversöhnt. In einem Brief an Meyer Schapiro schrieb Pächt 1952 über Sedlmayrs Annäherungsversuche: „I am not interested in the psychology of chameleons.“

Hans Sedlmayr

Station IV 1932 bis 1936

Der Bruch. Heidelberg, 1933

1932 reichte Pächt in Heidelberg Gestaltungsprinzipien der westlichen Malerei des 15. Jahrhunderts als Habilitationsschrift ein. Die Arbeit wurde bei August Grisebach angenommen, der dort seit 1930 als Professor für Kunstgeschichte lehrte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 konnte Pächt seine akademische Laufbahn nicht fortsetzen. Die öffentliche Antrittsvorlesung fand deshalb nicht statt.

Heidelberg, Habilitation, Entzug der Lehrbefugnis

Die Habilitation

Am 9. November 1932 schrieb Pächt aus Heidelberg an Bruno Fürst über den Stand seines Habilitationsverfahrens:

Lieber Fürst!

Wie es mit meiner Sache steht, werden Sie wohl schon von meiner Tante oder von Sedlmayr erfahren haben. Ich kann mich daher kurz fassen. Salis hat die Arbeit „ausgesprochen“ gefallen und er will dafür sorgen, daß der Umlauf bis zur nächsten Fakultätssitzung, d. i. 26. Nov. beendet ist. Dann erfolgt Aussprache in der Fakultät und – wenn nichts dazwischenkommt – Festsetzung des Kolloquiumstermins. Also es kann Ernst werden! Ich habe bei Hegel gelesen, daß die Weltvernunft die Leidenschaften und Triebe der Menschen benützt – eigentlich mißbraucht, um ihre eigenen Ziele dabei zu verwirklichen. Es muß eine solche „List der Vernunft“ gewesen sein, die mich auf diesen ganzen Weg geschickt hat. Vor mir allein aus kann ich das Ganze gar nicht mehr recht begreifen.

Das deutsche Publikum ist so merkwürdig. Schrade liest ein mehrstündiges Kolleg über Holländer des 17. Jh. Keine 12 Leute im Saal. Außerdem aber über Kunst der Gegenwart: in der zweiten Stunde muß wegen Überfüllung der größte Hörsaal aufgesucht werden und dieser erweist sich noch als zu klein. Wäre doch in Wien unmöglich, nicht?

Sedl läßt nichts von sich hören, obwohl er schon vor einer Woche meinen Brief bekommen haben muß. Nun soll ich schon kommenden Sonntag mit Oertel zusammenkommen – später verläßt Oertel Freiburg. Ich weiß aber gar nicht, was ich O. betreffs des Jahrbuchs sagen soll. Es ist doch – nach seinem letzten Brief – möglich, daß er uns 500 M Zuschuß anbietet und dann müßte ich herausrücken und bekennen, daß uns die Arbeit als ganze auf keinen Fall paßt – nachdem ich in einem der ersten Briefe auf Sedls ausdrücklichen Wunsch O. geschrieben habe daß wir unbedingt auf die Arbeit in irgendeiner Form reflektieren! Wenn ich nur überhaupt wüßte, wie die Subventionierungsangelegenheit steht. Hat Swoboda schon mit R. (Rowohlt) gesprochen? Askonas habe ich noch immer nicht geschrieben. Sie wußten einen so guten Text. Können Sie mir den nicht noch einmal vorsagen? Mir ist es so schrecklich peinlich, halb offiziell, halb privat-intim zu tun. Wäre es Ihnen vielleicht möglich, mir noch vor Sonntag auf all das eine Antwort zu geben?

Oder haben Sie wie der Maurer vom t. Berg zuviel mit Ihrem Wohnungsbau zu tun? Wann ist Einzug, wann Einweihung? Wie geht es Ihnen beiden? Bricht Erna, da es mit dem Wiener Domizil Ernst werden soll, ebenso in Wehklagen aus wie ich hier in Heidelberg?

Gestern war ich bei einem Kreuzkonzert in Mannheim. Eine unvergeßliche zweite Beethoven. Das kann kein Dirigent, auch der größte nicht. Das Larghetto wie eben im Augenblick neu komponiert, in atemloser Spannung verfolgt man den Gang der Musik, hat keine Ahnung, wie es weiter gehen wird. Es ist, als ob man dem Schöpfungsakt beiwohnen würde. Im letzten Satz nach der Fortissimosteigerung aus mythischen Abgründen emporgeholt ein Tanz gespenstischer Schatten, ganz langsam beginnend und schließlich in einem Wirbelsturm in sich zusammenstürzend. Das Publikum blieb so kalt wie in Wien nach Kraussens Aufführung. Ja, wenn Furtwängler ihnen das Grazioso vortanze und die Feierlichkeit mit großer Geste vormache.

Am Schluß spielte Brandl? seine Schlagoberssuite. Gewiß kein Hauptwerk. Aber ich wünschte zum Besten der modernen Musik, Hindemith hätte in seinem ganzen Oeuvre halb so viel Einfälle gehabt, als da in einem Satz drinsteckt. Qualität ist doch eine Dimension, die wir immer wieder hinter dem Stil vergessen. Da muß ich Sedlmayr schon Recht geben. – Samstag gastiert hier Furtwängler mit den Berliner Philharmonikern – Programm wie vor 100 Jahren.

Wie war der Don Juan unter Pollak? Was gab es sonst Hörenswertes? Ich habe Huxley, Two or Three Graces, zu lesen begonnen, komme aber nicht weiter, von Billinger soll ein neuer Gedichtband erschienen sein. Schreiben Sie möglichst ausführlich. Mit vielen herzlichen Grüßen auch an Erna und Swobodas.

Ihr Otto Pächt

Im Dezember 1932 hielt Pächt die Probevorlesung. Die Bestätigung der venia legendi, der Lehrbefugnis an der Universität, folgte im Februar 1933. Eine Kurzfassung der Schrift erschien 1933 in den Kunstwissenschaftlichen Forschungen. Die Arbeit galt den Prinzipien der Bildkonstruktion in der Malerei des 15. Jahrhunderts. Ein zweiter, unveröffentlicht gebliebener Teil ging später in seine Vorlesungen zur niederländischen Malerei ein.

Ausschluss aus dem deutschen Universitätsleben

Durch das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom April 1933 wurden jüdische Wissenschaftler von den deutschen Hochschulen ausgeschlossen. Pächt kehrte daraufhin nach Wien zurück, fand jedoch keine Stelle und blieb ohne akademisches Amt, bis er das Land verließ.

1958 sprach ihm das Kultusministerium Baden-Württemberg im Zuge der Wiedergutmachung die Rechtsstellung eines zum 1. April 1951 in den Ruhestand versetzten ordentlichen Professors zu.

Station V 1936 bis 1945

Exil und neue Wege

Die Verfolgung unter dem Nationalsozialismus trieb viele Angehörige der Wiener Schule ins Exil. London wurde ein wichtiges Zentrum ihrer Arbeit und ihres wissenschaftlichen Austauschs. Bevor Pächt nach Großbritannien emigrierte, unternahm er mehrere Reisen.

Emigration und Wirken im angelsächsischen Raum

Von Wien nach London

Am 7. September 1937 verließ er Österreich endgültig und ließ sich 1938 in London nieder. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurden die Firma David Pächt & Söhne und das Elternhaus in der Lainzer Straße 6 bei Schönbrunn enteignet. Seine Eltern und die Familie seines Bruders emigrierten nach Manchester und gründeten dort die Firma English DEPA & Crepe Ltd.

Im August 1938 wurde er in der anglikanischen Pfarre Kensington getauft und als „Art Historian“ eingetragen. Das Exil veränderte auch die Richtung seiner Forschung. In diesen Jahren begann er das systematische Studium der Buchmalerei, das fortan im Zentrum seiner Arbeit stand.

George Furlong und der Aufenthalt in Dublin

George Furlong (1898–1987) hatte in Wien Kunstgeschichte studiert. 1928 wurde er mit einer Arbeit über die angelsächsische Buchmalerei promoviert, jenes Feld, dem sich Pächt im Exil zuwenden sollte. Die beiden waren seit den gemeinsamen Wiener Studienjahren befreundet. 1935 wurde Furlong Direktor der National Gallery of Ireland, der jüngste Direktor, den das Haus bis dahin berufen hatte, und lud Pächt nach Dublin ein.

Forschung am Warburg Institute

Das Warburg Institute und das Courtauld Institute of Art wurden in Großbritannien wichtige Zentren der kontinentaleuropäischen Kunstgeschichte. In diesem Londoner Kreis wirkten unter anderen Fritz Saxl, Otto Kurz und Ernst Gombrich sowie, als Privatgelehrter, Frederick Antal.

Von 1937 bis 1941 war Pächt dem Warburg Institute verbunden, das 1933 unter der Leitung Saxls von Hamburg nach London verlegt worden war, um der nationalsozialistischen Verfolgung zu entgehen. Pächt erhielt Unterstützung durch die Society for the Protection of Science and Learning, die 1933 als Academic Assistance Council zur Hilfe für verfolgte Wissenschaftler gegründet worden war.

Der Weg zur Handschriftenforschung

Pächts Zusammenarbeit mit dem Kunsthistoriker und Paläografen Francis Wormald war entscheidend für seine Wendung zur Handschriftenforschung. Wormald, damals in der Handschriftenabteilung des British Museum tätig, wurde einer von Pächts engsten wissenschaftlichen Freunden in England. Da die Bestände des Museums kriegsbedingt ausgelagert waren, schlug er vor, Pächt solle die Handschriften der Bodleian Library katalogisieren. Anfang 1941 zog Pächt nach Oxford. Wormald sagte später über diese Jahre: „England was awfully good for Otto.“

Das Triptychon der Sammlung Seilern

Graf Antoine Seilern begann 1933 in Wien das Studium der Kunstgeschichte bei Johannes Wilde und wurde 1939 promoviert, nachdem er 1938 Österreich verlassen hatte. Ein Triptychon mit der Grablegung Christi, dem Meister von Flémalle zugeschrieben, wurde eines der Hauptwerke seiner Londoner Sammlung. Im August 1942 war es bei Christie’s in London als Werk Adriaen Isenbrandts angeboten worden. Pächt erkannte seine Bedeutung und die Fragen der Zuschreibung. Seilern erwarb es. Hermann Fillitz nannte diese Entdeckung ein Beispiel für Pächts Urteil als Kenner.

Die englischen Jahre brachten Pächt neben wissenschaftlicher Zusammenarbeit auch persönliche Bindungen.

Jeanne Thalia Pächt

Jeanne Thalia Michalopoulos (1902–1971), die Pächt in England kennenlernte, stammte aus einer griechischen Familie. Sie und ihre Geschwister wurden in London an der St. Paul’s School erzogen. Beide zeichneten schon, bevor sie einander begegneten. Auch beruflich widmeten sich beide der Kunst. Pächt arbeitete kunsthistorisch, Jeanne als Bibliothekarin am Courtauld Institute of Art in London. Sie heirateten im Januar 1940 in der Aghia Sophia in London. Ihr Sohn Michael George wurde im Oktober 1942 in Oxford geboren.

Jeanne Pächt (geb. Michalopoulo), London, Courtauld Institute, 1940er Jahre

Oskar Kokoschka

Pächt stand auch mit dem österreichischen Exilanten Oskar Kokoschka (1886 bis 1980) in Verbindung, der seit 1938 in London lebte.

Kokoschkas Briefe an Pächt betrafen persönliche wie fachliche Fragen. Im Dezember 1941 berichtete er über Aquarelle, die seine Frau Olda verkauft hatte, und über anhaltende Geldnot: „Life itself is a conspiracy against me, and you and dear Olda are in the thick of it too.“ Im März 1942 dankte er Pächt für die Übersetzung eines Artikels, den die Tribune abgelehnt hatte, „as usual!!!“, und drängte ihn zur Rückkehr nach London: „Do come soon and make up your mind to live in London again! Please!“

Oskar Kokoschka

Station VI 1941 bis 1963

Forschung und Lehre in Oxford

In Oxford verband Pächt die Erschließung illuminierter Handschriften mit der universitären Lehre. 1945 begann er am Oriel College zu unterrichten und war später University Lecturer, Senior Lecturer und Reader. 1947 wurde er britischer Staatsbürger und 1956 Mitglied der British Academy. Gastprofessuren führten ihn nach Princeton und New York.

Otto Pächt und die Zeit in Oxford 1941–1963

Kunstgeschichte auf Englisch: Sprache und Methode

Durch die Emigration wurde Englisch die Sprache von Pächts Forschung und Lehre. Auf Genauigkeit in der kunsthistorischen Terminologie legte er besonderen Wert. John Beckwith und Francis Wormald beschrieben seinen strengen sprachlichen Maßstab so: „Otto is very strict with us, sometimes even hard.“

Die Kataloge der Bodleian Library

Die in Oxford begonnene Katalogisierung mündete in den drei Bänden Illuminated Manuscripts in the Bodleian Library, Oxford, die er gemeinsam mit Jonathan J. G. Alexander erarbeitete. Clarendon Press veröffentlichte sie 1966, 1970 und 1973, nach Pächts Rückkehr nach Wien.

Akademische Laufbahn in Oxford

  • 1945:Fellow und Lecturer in the History of Medieval Art am Oriel College
  • 1950:University Lecturer
  • 1952:Senior Lecturer
  • 1956:Aufnahme in die British Academy
  • 1962:Reader

Gastprofessuren in Princeton und New York

Während seiner Oxforder Jahre übernahm Pächt Gastprofessuren in den Vereinigten Staaten. Von September 1956 bis Juni 1957 war er Visiting Professor am Institute for Advanced Study in Princeton, als Member of the School of Historical Studies. Erwin Panofsky lehrte dort seit 1935. Während seines Aufenthalts in Princeton erhielt Pächt ein Arbeitszimmer neben dem von Elias Avery Lowe. Den Raum hatte zuvor Francis Wormald genutzt. Mit beiden verband Pächt eine enge Freundschaft. 1960 führte ihn eine zweite Gastprofessur an das Institute of Fine Arts in New York.

Am 7. Mai 1956, noch bevor sie einander persönlich begegnet waren, dankte Panofsky Pächt für den Sonderdruck des ersten Teils seiner Rezension von Early Netherlandish Painting und nannte ihn einen „accomplished scholar“.

Brief an Bruno Fürst aus Princeton, 1956

Die Auseinandersetzung mit Erwin Panofsky

Pächt und Panofsky führten ihre methodischen Debatten aus einer gemeinsamen Herkunft. Beide hatten sich mit Riegl beschäftigt, bei Adolph Goldschmidt in Berlin gehört und standen dem Kreis um Fritz Saxl nahe.

Pächt gab der sichtbaren Struktur des einzelnen Werks den Vorrang. Er wandte sich gegen Deutungen, die das Bild vor allem aus Texten und Symbolen erklärten.

Der Brief an Ernst Gombrich

Auch in Pächts Austausch mit Ernst Gombrich ging es um die Darstellung der Wiener kunsthistorischen Tradition vor einem englischsprachigen Publikum. Am 26. November 1962 dankte Pächt Gombrich für die Rücksendung des Manuskripts seiner Riegl-Vorlesung, die 1963 im Burlington Magazine erschien. Er hatte die Vorlesung nur widerstrebend zugesagt, weil er keine Möglichkeit sah, die Polemik zu vermeiden, und „domestic quarrels between refugees“ nicht vor einem englischen Forum austragen wollte. Ausschlaggebend war seine Ablehnung der Art, in der Gombrich Riegl einem Publikum vorstellte, das ihn nicht kannte. Das könne die Engländer, so Pächt, nur in ihrem Absehen von Riegl bestärken. Er schrieb: „I shall be no more able to de-Popper you than you will be able to de-Riegl me.“

Brief an Ernst Gombrich, 1962

Abschied von England

Als die Universität Oxford 1955 ihren ersten Lehrstuhl für Kunstgeschichte einrichtete, wurde Edgar Wind berufen. Pächt setzte seine Arbeit in Oxford fort.

In einem Brief an Meyer Schapiro vom August 1962 wog Pächt die Forschungsmöglichkeiten in Oxford gegen die Lehre in Wien ab. Die Bindung an die Wiener Tradition sprach für die Rückkehr. Im Sommer 1963 verließ er England.

Francis Wormald über Pächts englische Jahre

Station VII 1963 bis 1972

Wien.
Die Rückkehr

Nach Jahren im englischen Exil und nach mehreren abgelehnten Einladungen der Universität Wien kehrte Pächt 1963 in seine Heimatstadt zurück. Er übernahm den Lehrstuhl Karl Maria Swobodas am Institut für Kunstgeschichte. Es war keine Rückkehr eines jungen Dozenten. Pächt kam als gereifter Forscher. Die Zahl der Emigranten, die nach 1945 an die Wiener Universität zurückgingen, war gering. Seine Berufung machte die Wiener Kunstgeschichte international wieder sichtbar. Zusammen mit Otto Demus, der im selben Jahr den zweiten Lehrstuhl erhielt, prägte er das Institut bis zur Emeritierung. Den Lehrstuhl bekleidete er bis 1972.

Universität Wien · Die institutionelle Heimkehr, 1963

Das Reich der Ottonen

Als Otto Demus und Otto Pächt 1963 ihre Lehrstühle am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien übernahmen, bezeichnete Karl Maria Swoboda den Wechsel mit einem Wortspiel: das Reich der Karolinger ende, das der Ottonen beginne. Die Anspielung verband seinen eigenen Vornamen Karl mit den Karolingern und die Vornamen seiner beiden Nachfolger mit den Ottonen.

Mitglieder des Instituts nahmen das Motiv an einem Abend auf. Im Seminarraum hingen zwei Bildnisse, jedes auf das Forschungsfeld des Dargestellten bezogen. Das eine zeigte Demus en face, eingefügt in das Justinian-Mosaik von San Vitale in Ravenna. Das andere zeigte Pächt im Profil als Evangelist Matthäus des Ebbo-Evangeliars, am Schreibpult, mit wirrem Haar und weit geöffneten Augen.

Hermann Fillitz deutete in seinem Bericht über den Abend das zweite Bildnis als Spiegel von Pächts Wesen:

„Ich glaube, das Bild entsprach tatsächlich in manchem dem Wesen von Prof. Pächt, die Leidenschaft, mit der er seiner Wissenschaft verbunden war, und das Auge, mehr sehend als andere und dieses Gesehene anderen verkündend. Dieser Leidenschaft und diesem Auge verdankt die internationale Kunstgeschichte sehr vieles.“Hermann Fillitz, Erinnerungen an Otto Pächt

Das Reich der Ottonen

Otto Demus

Der Byzantinist Otto Demus (1902–1990) gehörte zu Pächts Generation und hatte zur gleichen Zeit am Wiener Institut studiert. 1939 emigrierte er nach England. Nach der Rückkehr nach Österreich 1946 wurde er Präsident des Bundesdenkmalamtes. 1963, im Jahr von Pächts Rückkehr aus Oxford, wurde Demus Professor für byzantinische Kunstgeschichte. Die beiden waren Kollegen und Freunde. In seinem Nachruf von 1988 gab Demus eine ausdrücklich persönliche Einschätzung von Pächts Rückkehr und ihrer Bedeutung:

„Er war einer der wenigen Gelehrten, die nach der Befreiung Österreichs wieder in ihre Heimat zurückkehrten. Seine Rückkehr ist umso höher zu werten, als er in England eine neue Heimat, wissenschaftlichen Erfolg, zahlreiche Schüler und Freunde gefunden und eine Familie gegründet hatte, und zwar in Oxford, das ihm wenig später ein Ehrendoktorat nachsandte, das dritte einem Österreicher verliehene: das erste hatte Joseph Haydn erhalten. All das hat Otto Pächt verlassen, um 1963 nach Wien zurückzukehren, als Ordinarius der Kunstgeschichte an die Universität, an der er den wesentlichen Teil seiner Studien absolviert hatte. Bei seiner Rückkehr war er bereits über 60 Jahre alt und hatte ein imponierendes Lebenswerk geschaffen, und doch bedeutete diese Rückkehr für ihn selbst wie für das Fach, das er an der Universität zu vertreten hatte, etwas wie einen neuen Anfang. Seine Forscher- und Lehrtätigkeit machte Wien zu einem Mekka der Kunstgeschichte; ihn ‚gehört‘ zu haben, galt als Pflicht und erstrebtes Privileg der jungen (deutschsprachigen) Studentenschaft. Nie vorher, auch nicht in der ‚klassischen Zeit‘ der ‚Wiener Schule‘ Riegls, Wickhoffs, Dvořáks und Schlossers hatte das Fach der Kunstgeschichte an der Wiener Universität einen ähnlich hohen Rang und eine ähnlich große, internationale Anziehungskraft besessen.“

Mit ihren unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten prägten Pächt und Demus die kunsthistorische Lehre in Wien während dieser Jahre.

Die Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek

Zu Pächts zentralen Wiener Projekten gehörte die Erschließung der illuminierten Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek. Er initiierte eine neue Katalogreihe im Rahmen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und setzte diese Arbeit nach seiner Emeritierung fort.

Mit Dagmar Thoss entstanden die Bände zur französischen Buchmalerei (1974 und 1977), mit Ulrike Jenni der Band zur holländischen Schule (1975). Die Bände zur flämischen Schule folgten 1983 und 1990. Den ersten erarbeitete Pächt gemeinsam mit Jenni und Thoss, den zweiten mit Thoss. Dieser erschien nach seinem Tod.

Station VIII 1921 bis 2017

Publikationen

Die folgende Zusammenstellung umfasst 118 Einträge von 1921/22 bis 2017. Sie gilt einem wissenschaftlichen Werk von ungewöhnlichem Umfang: Monografien, Aufsätze, Kataloge, Rezensionen und Editionen, dazu Übersetzungen und spätere Ausgaben auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Japanisch und Chinesisch.

Bibliografie, 1921 bis 2017

    Station IX

    Das Œuvre in der Welt

    Otto Pächts Schriften liegen in mehreren Sprachen vor. Die Übersetzungen ins Italienische, Spanische, Japanische und Chinesische und die neuen Ausgaben auf Deutsch, Französisch und Englisch gehen auf die verlegerische Arbeit seines Sohnes zurück. Ohne diese Arbeit wäre das Werk der internationalen Forschung nicht in diesem Umfang zugänglich gewesen.

    Die editorische Arbeit · Prestel, Harvey Miller, Alianza, Macula

    Michael Pächt

    Nach mehr als zwanzig Jahren bei Prestel in München machte sich Michael Pächt selbständig und widmete sich der Herausgabe des wissenschaftlichen Corpus seines Vaters. Aus den Vorlesungen entstanden die posthumen Bände. Es sind exquisite, sorgfältig gestaltete Ausgaben.

    Die Verlage

    Die deutschen Ausgaben erschienen bei Prestel in München. Gustav Stresow, Typograf und Buchgestalter, der den Verlag seit 1946 leitete, erkannte früh die Bedeutung von Otto Pächts Werk. Aus der Zusammenarbeit wurde eine Freundschaft mit der Familie Pächt.

    Für die englischen Ausgaben arbeitete Michael Pächt mit Harvey Miller Publishers.

    Spanische Übersetzungen erschienen bei Alianza Editorial in Madrid, französische bei Macula in Paris.

    Station X

    Eine Schule des Sehens

    Pächts Wirkung reichte über seine Veröffentlichungen hinaus zu seinen Schülern und zur kunsthistorischen Praxis. In seinem Nachruf von 1988 würdigte Otto Demus Pächt als Wissenschaftler und als Menschen:

    „Pächt wusste, dass er sich auf sein Auge, das für ihn die Grundlage jeder kunstgeschichtlichen Betätigung darstellte, vorbehaltlos verlassen konnte. Das erklärt auch den bestimmten, manchmal fast aggressiven Ton seiner Veröffentlichungen. Er ließ sich bei aller persönlichen Bescheidenheit nichts ‚abkaufen‘.“

    Der Schülerkreis

    Schüler und Fachkollegen

    Den folgenden Schülern und Kollegen gilt Dank für ihre anhaltende Verbundenheit mit Pächt und seinem Werk:

    • Professor Dr. Artur RosenauerWien
    • Professor Dr. Koichi KoshiTokio
    • Professor Dr. Jonathan J. G. AlexanderNew York
    • Professor Dr. Colin EislerNew York

    Station XI 1965 bis 2008

    Ehrungen, Gedenken und Würdigungen

    Pächt erhielt zahlreiche akademische und staatliche Auszeichnungen, darunter die Wahl in die Österreichische Akademie der Wissenschaften und 1971 das Ehrendoktorat der Universität Oxford. In Würdigungen und Kondolenzbriefen nach seinem Tod 1988 erinnerten Kollegen und Freunde an seine wissenschaftlichen Leistungen, seine Unabhängigkeit des Urteils und seine persönliche Großzügigkeit.

    Medaillen und Ehrenzeichen

    Ausgewählte Auszeichnungen

    • 1965Korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
    • 1967Wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
    • 1971Ehrendoktor der Universität Oxford (Doctor litterarum honoris causa)
    • 1972Festschrift zum 70. Geburtstag, herausgegeben von Artur Rosenauer und Gerold Weber
    • 1972Zweite Festschrift für die „beiden Ottos“, Demus und Pächt
    • 1975Erneuerung des Doktordiploms der Universität Wien
    • 1976Wilhelm-von-Hartel-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
    • 1976Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse
    • 1977Ehrenmitglied der Mark Twain Society
    • 1978Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold
    • 1978Ordre national du Mérite, Frankreich
    • 1981Robert-Musil-Medaille der Stadt Klagenfurt
    • 1982Commandeur de l’Ordre des Arts et des Lettres de la République Française
    • 1985Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst

    Zu Pächts Geburtstagen erschienen Würdigungen in Zeitungen und in der Fachpresse. Auszüge ausgewählter Artikel sind hier wiedergegeben.

    Würdigungen in der Presse, 1967 bis 2002

    Das Wiener Gedenkzeichen

    2008 wurde am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien ein Gedenkzeichen für die ausgegrenzten, emigrierten und ermordeten Mitglieder enthüllt. Otto Pächts Name ist dort verzeichnet.

    Kondolenzschreiben von 1988

    In der folgenden Auswahl von Kondolenzbriefen antworteten Kollegen und Freunde aus der wissenschaftlichen Welt auf Pächts Tod mit persönlichen Erinnerungen und Würdigungen seines Werks.

    „Ihr Vater war ein großer Gelehrter, ein ganz bedeutender Kunsthistoriker und hier eine Weltkapazität als Handschriftenfachmann, ein allgemein kunstbewußter Mensch mit einer seltenen, fast seismographischen Feinfühligkeit und Entdeckergabe auf diesem Gebiet. Gewissermaßen in Umkehrung zu seiner Bedeutsamkeit als Wissenschaftler und Kunstexperte war er ein selten bescheidener Mensch, der die Arbeit in der Stille allem Auftreten in der Öffentlichkeit vorzog. Und in dieser Stille hat er ein großes Opus vollbracht und der Nachwelt hinterlassen.“Univ.-Prof. Dr. Hermann Vetters, Vizepräsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien, 20. April 1988
    „Wir seine Freunde werden uns seiner immer erinnern als der Beste unter den wirklich guten Kollegen und wie wenige ein gütiger Mensch. Ich verdanke ihm viele meiner schönsten Erlebnisse sowohl wissenschaftlich wie allgemeinmenschlich.“Prof. Dr. Carl Nordenfalk, Nationalmuseum Stockholm, 20. April 1988
    „Wir werden des Toten stets ehrend gedenken, so manches Mal hat er hier in Klagenfurt geweilt, um mit uns über Robert Musil, dem er in schwerer Zeit freundschaftlich geholfen hat, zu sprechen. Auch die Stadt Klagenfurt, von der er die Medaille für Verdienste um Robert Musil erhielt, wird seiner angemessen gedenken.“Prof. Dr. Josef Strutz, Robert-Musil-Archiv und Haus der Literatur, Klagenfurt, 25. April 1988
    „Ich habe ihn über 30 Jahre gekannt, lange noch gemeinsam mit Ihrer Mutter. Es gab kaum einen anderen Kollegen, der seine Objekte so liebte, der seine Anschauungen mit soviel Leidenschaft vertrat und der so mit Leib und Seele Kunsthistoriker war. Er hat Erstaunliches geleistet in einem Leben, das ja wohl nicht einfach war. Was er in der englischen Zeit rezipierte und produzierte, war bewunderungswürdig und dann kamen diese Professorenjahre in Wien, in denen er als bald 60jähriger einen speziellen Einfluss auf die studierende Jugend gewann.“Willibald Sauerländer, München, 26. April 1988
    „The world of scholarship and of manuscript studies will be very much poorer with his passing.“David Vaisey, Bodley’s Librarian, Bodleian Library, Oxford, 26. April 1988
    „Seine unermüdliche geistige Präsenz und Schaffenskraft, das hohe Ethos seines Wirkens und sein stets verständnisbereites, entgegenkommendes Wesen, waren so vorbildhaft, daß es wohl keinen Kunsthistoriker in Wien gibt, der nicht von ihm lernen konnte. Ich empfinde seinen Tod als große Zäsur. Professor Pächt hinterläßt als Mensch wie als Wissenschaftler eine Lücke, die aus heutiger Sicht nicht so bald geschlossen werden kann.“Manfred Leithe-Jasper, Direktor der Sammlung für Plastik und Kunstgewerbe, Kunsthistorisches Museum Wien, 27. April 1988
    „Seit über 60 Jahren blickte ich auf Ihren Vater, zuerst mit außerordentlichem Interesse, dann mit steigender Bewunderung, Sympathie, Verehrung. Ich verehrte alles an ihm, sein Auge, seinen Stil. Er war der Größte unserer Generation. Sein Werk ist umso größer, als es jetzt als abgeschlossenes Monument vor uns steht.“Dr. Dr. h. c. Bernhard Degenhart, München, 28. April 1988
    „He had been a Fellow of the Academy for over thirty years and was one of its most senior members. He was held in highest honour in this country for his contributions to the study of medieval art, particularly of illuminated manuscripts, of which he was one of the outstanding authorities in the world, and other work of fundamental importance for the study of medieval painting.“P. W. H. Brown, Secretary der British Academy, London, 6. Mai 1988
    „Es tut mir sehr leid vom Ableben Ihres Vaters zu erfahren, ich habe ihn in sehr lebendiger Erinnerung aus der Londoner Zeit und freute mich sehr vor nicht so langer Zeit von ihm zu hören, als er mir seine Kokoschka-Briefe zur Verfügung gestellt hatte.“Olda Kokoschka, Villeneuve (Vaud), Schweiz, 15. Mai 1988
    „He was one of the few art historians in my lifetime for whose character and work I felt unbounded admiration. He had some of the most penetrating and perceptive eyes that I have ever known, and in combination with his rigorous, sceptical methodology they made him into the great art historian he was. I look back with a sense of gratitude and of enrichment to visits to him and to your mother in Ladbroke Grove during the war, and to my meetings with him after his retirement in Vienna. I learned more from him than I can say.“Sir John Pope-Hennessy, Florenz, 19. Mai 1988

    Station XII

    Das Vermächtnis

    Otto Pächt starb am 17. April 1988 in Wien. Sein wissenschaftliches Vermächtnis lebt in seinen Schriften, in der Arbeit seiner Schüler und in den Beständen des Otto Pächt-Archivs. Sie bilden den Kern des Archivs und vereinen Manuskripte, den privaten Nachlass und seine Handbibliothek. Sie stehen der Forschung und der Öffentlichkeit zur Verfügung.

    Otto Pächt, spätes Porträt

    Der Nachlass

    Viola Jeanne Pächt, die Enkelin Otto Pächts, betreut seinen Nachlass und bewahrt sein Andenken, eine Aufgabe, die sie von ihrem Vater Michael Pächt übernommen hat. Sie studierte Kunstgeschichte in Madrid und pflegt die Verbindungen zum Otto-Pächt-Archiv der Universität Wien und zu anderen internationalen Kunstinstitutionen.

    „Am Anfang war das Auge, nicht das Wort.“

    Otto Pächt | 1902–1988 | Kunstgeschichte als Schule des Sehens